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Trainingsplanung und Auswertung im Tischtennis

In diesem Beitrag möchte ich beschreiben, wie ich mit Trainings umgehe. Dabei ist es relativ egal, ob es sich um ein Einzeltraining (auch mein eigenes) oder ein Gruppentraining handelt.

Analyse

Die Grundlage jeden Trainings sollte eine Analyse sein. Dabei steht das Bedürfnis der Trainierenden im Fokus. Die Bedarfe sind hier sehr unterschiedlich. Es gibt verschiedene Anforderungen, die sich im Training immer wieder verändern können. Insofern ist ein Plan ein Plan und sollte nicht als “unbedingt” umzusetzen gelten.

In der Analyse gibt es verschiedene Informationsquellen.

Selbstauskunft des Spielers

Bei der Selbstauskunft des Spielers sollte man vorsichtig bei der Übernahme der Aussagen sein. Oft sehen die Spieler die Auswirkungen korrekt, aber suchen an der falschen Stelle.

Beispiel: Ich komme schlecht vom RHTS in die VH (wenn der Gegner in die VH blockt), weil meine RH-Bewegung zu lang ist.

In diesem Fall stimmte das, aber was viel wichtiger war, dass der Schlaghandfuß sehr weit vorne stand, so dass die Bewegung zurück in eine VH-Stellung durch die Fußstellung viel entscheidender beeinflußt wurde als durch die etwas lange RH-Bewegung.

In diesem Fall ist der Schwerpunkt dann eher auf der Beinstellung und später dann auf die RH-Bewegung.

Videomaterial

Videomaterial ist eine der besten Quellen. Mein Vorschlag an die Trainierenden ist immer ihr Spiel aufzunehmen, auch um die Eigenwahrnehmung zu fördern.

Spielbeobachtung

Die Spielbeobachtung ist der Königsweg, da man selber aussuchen kann, was man von wo wie betrachtet.

Bei Videos und Spielbeobachtung sollte man allerdings darauf achten, dass man genug Material sammelt.

Test durch den Trainer

Ein der am meisten genutzten Quellen zur Analyse eines Spielers ist der Test durch den Balleimer oder durch ein Match mit dem Trainer. Diese Form ist ebenfalls eine gute Ausgangslage für eine Analyse, aber es fehlt oft der psychische Stress wie im Wettkampf. Dass könnte unter Umständen die Ergebnisse verfälschen. Nichts desto trotz ist diese Form die aus meiner Sicht am häufigsten im Amateurbereich angewandte Grundlage für die Analyse. Hilfreich ist, wenn dazu Videos vom Wettkampf kommen, was heute mit Handys relativ leicht zu realisieren ist.

Trainingsvorbereitung

Ich bereite alle meine Trainings vor. Ich kenne den Zeitrahmen, ich habe eine ungefähre Vorstellung von der Zielgruppe/Zielperson und dem angestrebten Trainingsziel.

Der nächste Schritt ist, dass ich das Training zeitlich plane. Dabei orientiere ich mich an den Schwerpunkten, die vermittelt werden sollen und breche diese auf einzelne Trainingelemente herunter. Das sieht dann für ein Gruppentraining für Erwachsene so aus:

Detaillierte Trainingsplanung für ein Gruppentraining
Einzelne Trainingseinheit

Ich plane immer mehr Zeit ein, als ich habe. Im Beispiel stehen 120 Minuten zur Verfügung. Geplant sind etwas mehr als 140 Minuten. Der Hintergrund ist, dass ich durchaus Übungen im Training ändere (vereinfachen oder schwerer machen) oder weglasse, wenn ich merke, dass diese dem Ziel der Trainingseinheit nicht (mehr) Nutzen bringen.

Bei den Trainings hängt es oft von der Zusammensetzung der Gruppe ab, ob diese in dem angestrebten Niveau klappen. Wenn man die Gruppe überschätzt oder unterschätzt hat, dann sollte man die Übungen entsprechend anpassen. Ich habe am Anfang z.B. Übungen oft zu lang (bis in den 5. Ball) spielen lassen und das Feedback bekommen, dass es zu schwer ist. Nach einer gewissen Zeit habe ich die Übungen wieder in den Plan aufgenommen und dann haben diese geklappt.

Nicht alle Trainings denke ich mir selbst aus, sondern suche bei einschlägigen Portalen oder in Fachliteratur wie TTLehre oder Trainerbrief nach entsprechenden Übungen und übernehme dies oder ändere sie entsprechend des Gruppenniveaus ab.

Durchführung des Trainings

Wichtiges Mittel in meinen Trainings ist die Uhr (einfache Eieruhr) und der Trainingsplan. In der Regel schicke ich den Trainingsplan ein paar Tage vorher in die Trainingsgruppe (Chat) und reagiere noch auf Änderungswünsche der Teilnehmer.

Im Training selbst werden die Übungen immer (!) solange erklärt, bis der Sinn und Zweck der Übung klar ist. Oft treten am Anfang dabei unerwartet Probleme auf. So wurde z.B. bei einer Übung mit kurz-kurz selbst auf lange Bälle geschupft. Das ist natürlich nicht Sinn der Sache. Daraus folgernd ist eine grundlegende Information, dass “schlechte” Bälle die Übung brechen und sofort attackiert werden. Das Ziel ist immer Qualität zu erzeugen, das bedeutet aber, dass ich die Teilnehmer dazu bringen muss nicht einfach nur die Übung zu spielen, sondern mitzudenken. Bei Einzeltrainings sind diese Dinge natürlich viel einfacher abzustellen und werden von mir sofort korrigiert.

Nachbetrachtung des Trainings

Am nächsten Tag gehe ich die Übungen der Trainingsgruppe noch einmal durch und überlege, welche Übungen funktioniert haben und welche nicht. Daraus leiten sich dann oft Trainingsinhalte für die nächste Einheit ab, die ich mir vermerke und beim nächsten Training dann bei den Einheiten mit einfließen lassen.
Ich hatte in einer Gruppe z.B. das Problem, dass kurze Aufschläge nicht/kaum stattfanden. Die langen Aufschläge waren von guter Qualität. Daraus habe ich im Schwerpunkt alle Übungen mit kurzen Aufschlägen beginnen lassen. Mittlerweile funktionieren kurze Aufschläge viel besser und die Übungen beginnen jetzt auch schon mal mit langen Aufschlägen.

Analyse der Trainingseinheiten

Ich bin ein sehr analytisch veranlagter Mensch und glaube an die Macht der Zahlen. Daher habe ich mir eine Übersicht geschaffen, wie ich die Trainingsinhalte über einen Zeitraum nachvollziehen kann. Ich beschränke mich auf die Haupttrainingsinhalte. Sicher kann man das auch anders gliedern und jeder hat da so seine Systematik. Ich wollte etwas bauen, was mir hilft die Dinge im Blick zu behalten. Daher werte ich die Metainformationen zu einem Training aus. Das sieht dann so aus:

Gruppentraining Tischtennis nach Monaten und Schwerpunkten

In der Grafik (interaktiv und filterbar) kann ich sehen, wo die Hauptthemen im Training lagen und wie sich das verändert.

Diese Analyse in Zusammenhang mit den Erfolgen im Wettkampf gibt einen guten Rückschluss darauf, ob die Trainingsschwerpunkte richtig gesetzt wurden.

Werkzeuge

Ich benutze für die Datenbank Ninox (ninoxdb.de). Das ist eine Datenbank mit Oberfläche und sehr gut anzupassen.

Fazit

Ich glaube, dass eine gute Analyse vor/während/nach dem Training hilfreich ist, um den/die Athlet_innen voranzubringen und mir als Trainer hilft die Dinge klarer zu sehen. Ich hoffe, dass es dem einen oder anderen ein bisschen weiter hilft.

Tom
Tom
Tischtennis Trainer B-Lizenz, spiele seit meiner Kindheit Tischtennis, aktuell in Berlin im Punktspielbetrieb unterwegs... Tischtennis ist meine Leidenschaft ;).

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